CUGA

Harzring – Jul ’10

Zweiter Renntag – Unsere Protagonisten schlagen sich gut

Zum Frühstück erwartet uns eine angenehme Überraschung. In der Nacht hat es geregnet und die Temperatur auf ein erträgliches Maß reduziert. Ab jetzt soll es aber trocken bleiben, die Rennen können also problemlos stattfinden. Der Tag wird genau wie gestern verlaufen, aber heute verfolgen wir ja unsere Protagonisten.

Wir treffen die Mädels an der Strecke und begleiten sie auch gleich zur Registrierung. Die Gruppe fällt schon auf, sind doch wirklich bis auf wenige Ausnahmen nur Männer im Fahrerfeld vertreten. Auch die Besichtigung des Karts verläuft etwas anders, die etwas schmaler gebauten Damen fahren mit einer zusätzlichen Sitzschale, um auch in den Kurven ausreichend Halt zu haben.

Beim Qualifying dann die erste Überraschung. Zunächst als Außenseiter betrachtet, fahren die Mädels auf die Plätze 6 und 3 für den ersten und zweiten Lauf des Tages. Ihr Teamchef, Dr. Münch, fährt mit seinem eigenen Team ebenfalls mit und muss sich in der Startaufstellung weiter hinten einreihen. Der interne Konkurrenzkampf ist spätestens damit eröffnet.

Heute wird es auch keine Ablenkung mehr durch die Fußball-WM geben, und so blicken alle Augen gespannt auf die Strecke, als das erste Rennen kurz vor Mittag gestartet wird. Die Mädels kommen gut ins Rennen, schon nach wenigen Minuten sind sie auf Platz 4 vorgefahren. Aber das Rennen ist noch lang, und durch die technisch identischen Karts fallen die meisten Entscheidungen durch die richtige Taktik in der Boxengasse. Und so fällt unser Team leider Stück für Stück zurück und beendet den ersten Lauf nur auf Platz 8. Dennoch zeigen die Mädels sich zufrieden und wollen im zweiten Lauf noch einmal richtig angreifen.

Diesmal starten sie von Platz 3, lassen sich aber überrumpeln und fallen schon nach der ersten Kurve weit zurück. Da hilft auch die beste Taktik nichts mehr, immerhin kann man sich noch einige Plätze verbessern und beendet den zweiten Lauf auf Rang 11. Trotzdem besteht kein Grund zur Trauer. Dr. Münch und sein Team fahren furios durch den Kurs, und durch eine genau berechnete Tankstrategie können sie mit gerade einmal 5 Sekunden vorsprung den Sieg einfahren.

Am Ende des Tages sind alle zufrieden. Nun folgt die Sommerpause, das nächste Rennen findet dann Anfang September im Hunsrück statt. Auch wir sind mehr als geschafft nach diesen zwei Tagen. Während die Veranstalter noch alles abbauen müssen, machen wir uns auf den vierstündigen Heimweg und fallen kurz vor Mitternacht endlich ins Bett.

Der erste Renntag bei gefühlten 40 Grad

Nach der kurzfristigen Buchung am Freitag mittag reisen wir noch spät am Abend in das beschauliche Dorf Nachterstedt in der Nähe von Magdeburg. Nachterstedt erlangte im Sommer 2009 traurige Berühmtheit durch einen Erdrutsch in den angrenzenden Baggersee, der Teile des Dorfs mit sich riss. Unser Hotel liegt denn auch gerade einmal zweihundert Meter von der Sperrzone entfernt.

Die Nacht ist sehr kurz, und so stehen wir bereits um halb acht am Samstag morgen an der Rennstrecke. Unser Team besteht aus drei Personen: Hartmut Schotte an der Kamera, von der Agentur MotionCTRL sind Tobias Kahler als Regisseur und Lena Vornkahl als Produktions-Assistenz mit an Bord.

Selbst um diese Uhrzeit ist es schon relativ warm, ein Vorgeschmack auf den weiteren Tagesverlauf. Zunächst aber stellen wir unseren Drehplan auf. Der Job wird eine Herausforderung, da wir keinerlei Vorbereitungszeit hatten und uns jetzt sehr spontan auf die Ereignisse einstellen müssen. Wir beschließen, heute zunächst allgemeine Footage vom Rennen und Hintergrundstories zu drehen. Morgen geht das einzige reine Damen-Kartteam Deutschlands auf die Strecke – unsere Protagonisten sind gefunden.

Die Teams sind größtenteils schon vor Ort. Wir begleiten die Registrierung und die anschließende Auslosung der Karts. Die Rennmaschinen werden vom Ausrichter gestellt, somit fahren alle Teams mit technisch absolut identischem Material. Lediglich beim Reifendruck kann experimentiert werden, und es dauert nicht lange, bis hitzige Diskussionen über die beste Taktik ausbrechen. Die Bedingungen werden extrem, die hohen Temperaturen stellen eine reale Gefahr für die Reifen dar.

Schließlich beginnt das Qualifying für die beiden Läufe und die Teilnehmer geben alles, um die besten Rundenzeiten in den Asphalt zu brennen. Die Schnellsten durchfahren den rund 1000 Meter langen Kurs in knapp 59 Sekunden. Vor dem Start des eigentlichen Rennens gibt es noch eine kurze Verschnaufpause. Die Temperaturen betragen mittlerweile gefühlte 40 Grad im Schatten, nur dass es auf der Strecke keinen Schatten gibt. Die Rennfahrer werden leiden müssen. Die medizinische Betreuung ist allerdings gut vorbereitet und immer wieder gibt es Hinweise an alle Teams, bitte ausreichend zu trinken, da ein Fahrer im Verlauf des Rennens durchaus bis zu 10 Kilo Körpermasse verlieren kann.

Kurz vor Mittag wird dann der erste Wertungslauf gestartet. Die folgenden drei Stunden drehen die Teams unermüdlich ihre Runden, die Zuschauer sind gespannt darauf, wessen Taktik am Ende aufgeht. Wir können uns mit der Kamera über die gesamte Strecke bewegen, sind teilweise nur einen halben Meter von den vorbeirasenden Karts entfernt – eine ganz neue Erfahrung, haben wir doch bisher meist Rennen mit “großen” Autos besucht, wo derartige Aktionen sicherheitstechnisch undenkbar sind.

Nach einer weiteren kurzen Pause steht dann direkt das Nachmittags-Rennen an, wieder über eine Distanz von drei Stunden. Jetzt stellt sich aber für alle Anwesenden ein kleines Problem – zeitgleich mit dem Rennen wird in Südafrika die Viertelfinal-Partie zwischen Deutschland und Argentinien angepfiffen… Aber für alles ist bestens gesorgt: mehrere Fernseher übertragen das Spiel, so dass jeder sowohl die WM als auch das Rennen verfolgen kann. Während das Rennen mit dem fliegenden Start beginnt, fällt denn auch das 1:0 für Deutschland – einem perfekten Sporttag steht nichts mehr im Wege.

Die Temperaturen sinken endlich im Verlauf des Nachmittags, aber die Hitze ist immer noch unerträglich. Nachdem das WM-Spiel mit einem deutlichen Sieg der deutschen Mannschaft beendet ist, richtet sich wieder die geballte Aufmerksamkeit auf die Kartbahn, wo noch rund eine Stunde zu fahren ist.

Die Favoriten machen schließlich den Sieg in beiden Wertungsläufen unter sich aus, so dass sich bei der abschließenden Siegerehrung lediglich die Reihenfolge ändert, mit der die Siegerteams das Podest betreten. Nun wo alles vorbei ist, macht sich Erschöpfung unter den Teilnehmern breit, und so gehen die meisten direkt in den wohlverdienten Feierabend über. Lediglich die Mechaniker des Ausrichters werden wohl noch bis Mitternacht beschäftigt sein, um die Karts für den morgigen zweiten Renntag fit zu machen. Auch wir packen die Kamera ein und hoffen, dass der Wettergott Gnade zeigt und morgen ein paar Wolken vorbeischickt.