CUGA

Burkina Faso – Feb ’09

Schulbesuch in Komadougou und Rückflug nach Hause

Im Morgengrauen klingelt der Wecker. Wir müssen früh los, fahren wir doch mit Wolf Lüdge wieder zurück in die Zone de Fada, um das Dorf Komadougou und die dortige Schule zu besuchen. Und dann direkt im Anschluss wieder nach Ouagadougou, weil heute abend leider schon das Ende unserer Reise gekommen ist und unser Flieger nach Hause startet. Insgesamt also ca. sechs Stunden Autofahrt, und wir wollen vor Ort ja genug Zeit haben, um in Ruhe unser Programm zu absolvieren.

Aber zunächst einmal frühstücken, diesmal mit echtem aufgebrühten Kaffee! Mit entsprechender Energie aufgeladen schwenken wir einmal mehr auf die Landstraße ein. Unterwegs halten wir an einer landschaftlich besonders schönen Stelle an, um einige dynamische Vorbeifahrten unseres Autos zu filmen. Wie immer braucht es allerdings einige Takes, bis die Einstellung richtig im Kasten ist – sehr zur Unterhaltung unseres Fahrers, der bei der fünften Wiederholung gar nicht mehr fragt, warum er schon wieder wenden muss. So ist auch dieser Punkt unserer Shot-Liste abgehakt und wir beeilen uns, pünktlich in Komadougou anzukommen.

Ich komme auf die grandiose Idee, noch einige Aufnahmen während der Fahrt zu machen – von der Ladefläche unseres Pickup-Trucks aus. Die Sonne brennt, überall der allgegenwärtige Staub, und als unser Konvoi überraschend einen Tankstop macht und ich immer noch auf der Pritsche sitze, bin ich in kürzester Zeit von Passanten umringt und fühle mich ein wenig wie im Zoo. Schade, dass ich kaum ein Wort von dem verstehe, was mir entgegen gerufen wird.

War der Empfang gestern in Fouanliedi schon überaus freundlich und bemerkenswert, so setzen die Bewohner von Komadougou noch eins drauf. Mit Trommelschlägen und einer Tanzeinlage werden wir begrüßt, darauf folgt wieder das uns schon bekannte Ritual der persönlichen Vorstellung und Eintrag ins Gästebuch. Nach einer weiteren Frage-/Antwort-Runde gehen wir alle gemeinsam in die nahegelegene Schule, wo wir den Unterrichtsablauf gehörig durcheinander bringen. Hessnatur ist gerade dabei, ein Projekt zur Unterstützung der Schulkantine anzustoßen, damit die Kinder nicht zur Mittagspause den oftmals kilometerlangen Heimweg antreten müssen. Deshalb ist es für Wolf und Michael sehr wichtig, gerade hier Station zu machen.

Wir werden in eine der Klassen gebeten, der Inhalt der Stunde wird kurzerhand um ein wenig deutsche Geographie und Gesellschaftslehre erweitert. Die Schüler sind begeistert, ausländische Besucher zu sehen und stellen interessiert Fragen. Die Kamera erhält auch ihren Teil an Aufmerksamkeit, wird stellenweise allerdings auch etwas argwöhnisch beäugt. Wir drehen noch einige Interviews auf dem Schulhof mit Wolf Lüdge. Umringt von Kindern erzählt er von dem geplanten Projekt und uns gelingen einige hoch-emotionale Aufnahmen.

Doch die Zeit drängt, und wir müssen uns schon wieder auf den Rückweg machen. Schweren Herzens verabschieden wir uns mit dem festen Versprechen, im nächsten Jahr wiederzukommen. Auf der Fahrt müssen wir uns wieder beeilen, denn die Sonne senkt sich schon bedrohlich dem Horizont entgegen. Ouagadougou erreichen wir schließlich kurz nach Einbruch der Dunkelheit, bis zum Abflug bleiben uns noch drei Stunden.

Nach einer schnellen Dusche im Büro von Helvetas gehen wir mit dem ganzen Team zum Abschlussessen. Trotz afrikanisch gemütlicher Bedienung bekommen wir alle noch rechtzeitig unsere Mahlzeit, dann ist der Aufbruch zum Flughafen nicht länger hinauszuschieben. Wir verabschieden uns von Georg Felber und Daouda. Samba wird uns ein letztes mal durch Ouagadougou fahren, bis auch er am Flughafen Abschied nehmen muss.

Vor dem Check-in erwartet uns dann doch noch eine letzte Überraschung. Unser verschollenes Stativ ist wieder aufgetaucht, wenn auch zu spät. Kurzerhand geben wir die Tasche direkt wieder auf, immerhin mit der Gewissheit, nicht mehr suchen zu müssen. In wenigen Minuten gehen wir an Bord, zurück ins winterliche Europa. Eine wunderbare Zeit liegt hinter uns. Obwohl nur drei Tage, kommt es uns vor, als wären wir wochenlang in Burkina Faso gewesen. Trotz aller Erschöpfung werden schon erste Pläne laut, zur Baumwollernte zurückzukehren, um auch diese Bilder noch einzufangen.

Bei den Baumwoll-Bauern in Fouanliedi

Bevor wir nun endlich zu den Baumwoll-Bauern im naheliegenden Dorf Fouanliedi aufbrechen steht noch ein wichtiger Termin an. Sagnon Lallé, Mitglied des Exekutivrats der Bauern-Union von Burkina Faso, gibt uns ein ausführliches Interview vor der Kamera. Im Garten des Hotels erläutert er uns den hohen Stellenwert der Baumwoll-Produktion, gut 65 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Burkinas werden damit erbracht, und den immer wichtiger werdenden Anteil der ökologischen Landwirtschaft. Ganz besonders stellt er dabei die Wichtigkeit einer fairen und nachhaltigen Zusammenarbeit mit den Abnehmern in den Industrienationen heraus.

Dann besteigen wir endlich unsere Fahrzeuge und machen uns auf den Weg nach Fouanliedi. Zunächst folgen wir dabei noch der ausgebauten Landstraße, bis unser Fahrer plötzlich ins Gelände abbiegt, ohne das wir ein Anzeichen von Beschilderung bemerkt hätten – ohne unsere ortskundige Bekleitung hätten wir das Dorf vermutlich niemals gefunden. Über holprige Pfade durch die in dieser Jahreszeit spärlich bewachsenen Felder erreichen wir schließlich das Dorfzentrum – und werden bereits von der versammelten Einwohnerschaft erwartet.

Die Begrüßung fällt sehr herzlich aus, als europäische Besucher sind wir die Sensation im Dorf. In einer offziellen Zeremonie bekommen wir das traditionelle Begrüßungsgetränk angeboten, eine Art Limonade auf Hirsebasis und sehr lecker. Dann stellen wir uns einzeln den Dorfbewohnern vor und tragen uns im Besucherbuch ein. Im Anschluss folgt eine sehr interessante Frage-/Antwort-Runde, die sich allerdings aufgrund der mehrfachen Übersetzungen ein wenig in die Länge zieht. Alles in Allem ist es eine sehr aufschlussreiche Begegnung, in der Europäer und Afrikaner freundlich, offen und auf Augenhöhe aufeinander treffen.

Im Anschluss zieht sich die Gemeinschaft aufgrund der Mittagshitze in den Schatten eines großen Baumes zurück, während wir Mitteleuropäer unbeirrt bei über 40 Grad das Dorf erkunden. Wir besuchen den Hof von Ouaba Montadi, einer der wohlhabenderen Bauern von Fouanliedi, der dort mit seiner Großfamilie wohnt. Wir erleben Afrika hautnah, bereitwillig wird uns jeder Winkel der Wohnanlage gezeigt und erklärt. Ein ganzer Tross neugieriger Kinder ist unser stetiger Begleiter, Michael und seine Digitalkamera sind die Stars, möchte doch jeder ein Foto von sich und seinen Freunden gemacht bekommen.

Ouaba Montadi und seine erste Frau Thombiano Tantena geben uns erstklassige Interviews, die visuelle Kulisse lässt sich dabei kaum in Worte fassen. Wir erfahren viel über die Lebensweise der Bauern und ihre Bewegründe, auf biologische Landwirtschaft umzustellen. So fordern vor allem die Pestizide im herkömmlichen Anbau immer wieder Opfer – teils durch unsachgemäße Anwendung, weil das Geld für Schutzkleidung fehlt, aber vor allem Kinder sind in Gefahr, weil sie kontaminierte Feldfrüchte essen und so Vergiftungen erleiden, meist mit tödlichem Ausgang.

Nur sehr zögerlich verlassen wir die Bauern von Fouanliedi wieder, gerne wären wir noch viel länger bei diesen freundlichen Menschen geblieben. Aber vor uns liegt noch die Rückfahrt nach Ouagadougou, die auf jeden Fall bei Tageslicht absolviert werden muss. Fahren bei Dunkelheit ist aufgrund der vielen unbeleuchteten Fahrzeuge, der Tiere und nicht zuletzt der Gefahr duch Kriminalität absolut nicht zu empfehlen. Heute abend werden wir dann Wolf Lüdge, Geschäftsführer von hessnatur, am Flughafen abholen. Er wird morgen bei unserem letzten Tag in Burkina Faso dabei sein, wenn wir im Dorf Komadougou auf weitere Baumwoll-Produzenten treffen und außerdem noch die örtliche Schule besuchen werden.

Besuch bei Faso Coton und Fahrt nach Fada n’Gourma

Der Tag fängt früh an. Wir frühstücken im Hotel, leider nur mit Instant Kaffee, und werden dann von Samba und Daouda, unserem Dolmetscher, abgeholt. Die Fahrt führt quer durch Ouagadougou zu Faso Coton, der Ginning-Fabrik zur Reinigung und Verpackung der Rohbaumwolle, in den Außenbezirken der Stadt. Wir sind schon nach wenigen Minuten vollkommen orientierungslos, da bis auf wenige Ausnahmen komplett auf Straßenschilder verzichtet wird. Samba steuert uns aber entspannt durchs Verkehrsgewühl, auch wenn wir vergeblich versuchen, zumindest grundlegende Verkehrsregeln zu erkennen.

Bei Faso Coton angekommen, werden wir vom Geschäftsführer Lanssina Konate empfangen. Er führt uns durch die Fabrik und erklärt die einzelnen Arbeitsschritte. Beim Ginning werden alle Fremdkörper wie Samen und Pflanzenreste von der Rohbaumwolle getrennt, so dass nur noch die reinen Fasern übrig bleiben. Diese werden dann gepresst und in Ballen zum Weitertransport verpackt. Michael, als Vertreter von hessnatur, will natürlich wissen, wie mit der Bio-Baumwolle verfahren wird, damit keine Verunreinigung mit herkömmlich produzierter Ware geschieht. Lanssina versichert uns, dass die gesamte Anlage gründlich gereinigt wird, bevor Bio-Baumwolle in die Maschinen kommt.

Nach dem Rundgang ist es bereits Mittag und wir spüren die Kraft der Äquatorsonne. Wolken haben wir bisher keine gesehen, also bleibt nur die Zuflucht im Schatten der wenigen Bäume oder das Aufdrehen der Klimaanlage. Der Flüssigkeitsverlust in der Hitze ist enorm, so dass wir vor der Weiterfahrt nach Fada n’Gourma zunächst noch einen Supermarkt aufsuchen, um uns mit ausreichend Wasser und ein paar Knabbereien einzudecken. Michael ersteht am Straßenrand noch ein paar Bananen, die er bis zum Abend erfolglos versucht, seinen Mitfahrern schmackhaft zu machen.

Bevor es losgeht, stößt noch Georg Felber zu uns, Projektleiter für Bio-Baumwolle von der Schweizer Entwicklungshilfe-Organisation Helvetas. Er wird uns die nächsten Tage begleiten, ist er doch maßgeblich daran beteiligt, den ökologischen Anbau in Burkina Faso voranzutreiben. Dabei arbeitet er direkt mit den Bauern zusammen, achtet auf die Einhaltung der strengen Zertifizierungs-Standards und vermittelt Kontakte zu potentiellen Abnehmern. Vollzählig kehren wir Ouagadougou den Rücken und machen uns auf zur nächsten Station unserer Reise.

Fada n’Gourma liegt gut 180 Kilometer entfernt im Osten des Landes und ist eine der Zonen, in der die für uns interessante Bio-Baumwolle angebaut wird. Die Landstraße überrascht uns mit nahezu perfektem Zustand, gerade mal drei Stunden benötigen wir für die Strecke. Was auf der Straße geschieht ist allerdings wieder typisch afrikanisch, und so werden uns einige beeindruckende Beispiele präsentiert, wieviel Personen und Gepäck man auf einen Kleinbus laden kann.

Wir erreichen wohlbehalten unser Hotel und sehnen uns der Dusche entgegen, da Hitze und Staub wirklich keine angenehme Kombination sind. Nach dem Abendessen heißt es noch Material überspielen, bei spontan auftretenden Stromausfällen eine spannende Angelegenheit. Morgen besuchen wir Fouanliedi, ein Dorf in der Nähe, wo wir zum ersten Mal auf die Baumwoll-Bauern treffen werden.

Anreise nach Ouagadougou via Paris

Eigentlich ein relativ unspektakulärer Tag. Heute morgen um halb neun ging’s los zum Flughafen Frankfurt. Insgesamt sieben Stunden Flug liegen vor uns, dazu noch einmal knapp vier Stunden Aufenthalt in Paris, da wir mit Air France unterwegs sind. Die Zollabfertigung in Frankfurt läuft reibungslos und auch den Sicherheits-Check dürfen wir nach einigen Untersuchungen an unserem Equipment passieren. Kamera-Akkus sehen übrigens ziemlich böse auf den Röntgenbildern aus…

Nach knapp sechzig Minuten sind wir auch schon in Paris Charles de Gaulles. Michael und ich unternehmen erste Versuche, auf Französisch zu kommunizieren, in Vorbereitung auf Frankreichs ehemalige Kolonie Burkina Faso. Zwar noch etwas holprig, aber immerhin gelingt es uns, ein Sandwich samt Getränk zu bestellen. Vier Stunden und einen Bombenalarm im Terminal später besteigen wir schließlich den Flieger nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Wir nehmen bescheiden in der Economy Platz, die Kamera genießt allerdings einen First Class Flug, da nirgendwo sonst genug Platz in den Gepäckfächern ist.

In Ouagadougou angekommen begrüßen uns selbst um 22 Uhr Ortszeit noch wohlige 28 Grad. Am Flughafen werden wir von Samba, unserem Fahrer für die nächsten Tage, bereits erwartet und werden direkt zu unserem Hotel gefahren, dass nur wenige Minuten entfernt ist.
Beim Auspacken dann direkt der erste Schreck. Unser Stativ wurde von Air France mit einer identisch aussehenden Tasche vertauscht, und sofort wissen wir, dass Murphy’s Gesetz die Globalisierung längst umgesetzt hat. Also wieder zurück zum Flughafen.

Mit viel Gestikulieren und einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Französisch können wir dem zuständigen Flughafenmitarbeiter unser Problem verständlich machen. Eine Lösung liegt allerdings ein weiter Ferne, die Taschen wurden wohl schon in Paris vertauscht. Wir füllen noch die notwendigen Formulare aus und fahren notgedrungen wieder ins Hotel zurück. Bis unser Stativ wieder auftaucht heißt es improvisieren und von der Schulter drehen. Der nächste Flieger aus Paris kommt morgen abend.

Jetzt suchen wir uns noch einen Happen zu essen und dann geht’s ins Bett. Morgen früh sind wir zu Besuch in einer Ginning-Fabrik, wo die Rohbaumwolle gereinigt und für den Export verpackt wird.