CUGA

2010

Ein letzter Tag in Lima

Früh am morgen verlassen wir Juliaca, wofür wir allerdings sehr dankbar sind. Die Stadt ist leider ausnehmend unansehnlich, was aber die absolute Ausnahme unserer ansonsten sehr angenehmen Tage in Peru ist.

Wieder in Lima angekommen, kämpfen wir uns durch den morgendlichen Berufsverkehr zu einer weiteren Visite des Konfektionsbetriebs, den wir bereits an unserem ersten Tag besucht hatten. Der Fairness halber versuchen nun auch Michael und ich uns an den Strickmaschinen und bringen immerhin ein paar annehmbare Maschen eines Schals zustande.

Zum Abschluss genießen wir dann ein letztes Mal noch die herausragende peruanische Küche in einem der besten Fisch-Restaurants der Stadt – das gute Essen werden wir sicherlich vermissen.

Dann ist unsere Zeit endgültig abgelaufen und wir fahren wieder zurück zum Flughafen. Gut, dass wir diesmal recht frühzeitig dort ankommen und bereits online eingecheckt haben. Eine gute Stunde verbringen wir in der „Express“-Warteschlange der Gepäckabgabe, bis wir dann endlich als allerletzte unsere Koffer aufgeben dürfen…

Alpakas in allen Farben

Gut erholt starten wir in unseren vorletzten Tag in Peru. Ein reichhaltiges Frühstück versorgt uns mit genug Energie, gefolgt von einem ersten Rundgang auf der Farm. Wir besuchen zuerst den „Kindergarten“ wo die jungen Alpakas gemeinsam auf der Weide stehen – der Kuschelfaktor ist extrem hoch, leider sind die süßen Tierchen noch etwas scheu. Mit ein wenig Geduld allerdings akzeptieren sie unsere Anwesenheit und fressen gemütlich weiter.

Danach besteigen wir wieder die Fahrzeuge für einen kurzen Ausflug zu einer Communidad, wie die kleineren privaten Alpaka-Farmen im Umkreis genannt werden. Wir werden sehr freundlich empfangen, und Katharina und Samira bekommen einen Einblick in den Alltag der Farmer.

Zurück auf der Farm steht gleich der erste Höhepunkt des Tages auf dem Programm – die Schur eines der wolligen Vierbeiner. Nach kurzer Einweisung dürfen sich dann unsere zwei Botschafterinnen versuchen, allerdings unterschätzen sie immer wieder, wie dick das Fell eines Alpakas wirklich ist. Um ganze 3,1 Kilo erleichtern wir das gute Tier, die Wolle füllt schließlich einen ganzen Sack. Damit das Alpaka ohne sein schützendes Fell aber nicht friert, bekommt es noch eine warme Decke umgelegt, bevor es wieder auf die Weide entlassen wird.

Dann wird endlich gekuschelt! Mit einigen ausgewählten Alpakas, die den Kontakt zum Menschen gewohnt sind, treten wir alle an zum Fototermin. Nach kurzer Überlegung hat jeder seinen Favoriten gefunden, ich entscheide mich für ein braunes Suri-Alpaka – eine Rasse, die etwas an einen wandelden Flokati-Teppich erinnert.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Schon ist die Dämmerung angebrochen, und für Michael und mich ist die Zeit des Abschieds gekommen. Während Katharina und Samira nun noch gut eineinhalb Wochen die touristischen Highlights Perus besuchen werden, brechen wir auf nach Juliaca, von wo wir morgen früh nach Lima zurückfliegen werden.

Durch die Hochtäler der Anden

Eine spannende Fahrt durch die Hoch-Anden zur Alpaka-Farm liegt vor uns. Verlassen wir Arequipa für den ersten Abschnitt noch auf der gut ausgebauten Hauptstraße, so führt uns der Weg schnell ins Gelände auf unbefestigte Schotter-Pisten. Wir fahren durch eine Hochebene, aus der sich die Andengipfel majestätisch auf Höhen über 6.000 Meter erheben.

Immer wieder halten wir an, um diese grandiose Landschaft in Bildern festzuhalten und die Eindrücke in uns aufzunehmen. Das karge Grasland in der Höhe bietet nur noch den Alpakas ausreichend Nahrung, die in kleinen und großen Herden das Gelände durchstreifen, begleitet von ihren Besitzern.

Die brennende Höhensonne und die dünne Luft fordern schnell ihren Tribut. Selbst kleinste Anstrengungen werden zu großen Aufgaben – alle paar Schritte müssen wir stehen bleiben und neue Kraft schöpfen. Am frühen Nachmittag erreichen wir dann den höchsten Punkt unserer Fahrt auf 4.700 Metern. Besonders beeindruckt uns die absolute Unberührtheit der Natur. Bis auf die vereinzelten Hütten der Alpaka-Farmer haben wir während der letzten Stunden keinerlei Anzeichen menschlicher Präsenz finden können.

Mit Einbruch der Dunkelheit kommen wir schließlich auf der Farm an. Obwohl wir eigentlich „nur“ im Auto gesessen haben, fühlen wir uns doch alle sehr ausgelaugt. Die leichten Kopfschmerzen aufgrund des wenigen Sauerstoffs sind angesichts dieses unvergesslichen Tages allerdings leicht zu ertragen.

Die „Weiße Stadt“ im Schatten des Vulkans

Nachdem wir gestern die Herstellung des Garns ausgiebig kennengelernt haben, widmen wir uns heute nun der Konfektion zu fertigen Kleidungsstücken, Schals oder Decken. Das Betriebsgelände ist wiederum äußerst weitläufig, so dass wir uns schon mal auf einiges an Fußweg gefasst machen.

Hier wird das Garn vornehmlich zu Webstoffen verarbeitet. Ganze Hallen belegen die vollautomatischen Webstühle, die Stoffe aller Farben und Qualitätsstufen herstellen. Daraus entstehen in der weiteren Fertigung alle möglichen Produkte, vom einfachen Schal bis hin zu eleganten Mänteln und anderen Kleidungsstücken. Auch ein Produkt von hessnatur begegnet uns in der Näherei – unsere beiden Botschafter nutzen die Gelegenheit, um sich detailliert bei einer der Näherinnen über ihre Lebens- und Arbeitsumstände zu erkundigen.

Nachmittags unternehmen Michael und ich noch einen kurzen Streifzug durch die außerordentlich schöne Stadt, die zu Recht zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Verwinkelte Gassen in der Altstadt führen durch ehrwürdige Gebäude aus Kolonialzeiten, ein Aussichtspunkt bietet schließlich noch einen grandiosen Blick über die Stadt im Schatten des über 5.000 Meter hohen Vulkans Misti.

Abends führt uns Matthias Hess ins Restaurant „Chicha“, bekannt für seine ausgezeichnete Küche mit vielen regionalen Spezialitäten. Hier probiere ich mein erstes Meerschweinchen – eine Delikatesse in Peru! Allerdings entscheide ich mich für die „Touristen“-Variante – das gute Tier kommt also als Filet auf den Teller und nicht am Stück…

Gesättigt kehren wir ins Hotel zurück für unsere letzte Nacht in Arequipa. Morgen erwartet uns die Königsetappe der Reise, die Fahrt durch die Anden zur Alpaka-Farm mit Passhöhen bis 4.700 Metern.